Startseite Zwei Millionen Seemeilen geschafft
Das teilte das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), mit. Zum Zeitpunkt des Jubiläums war die „Polarstern“ im Arktischen Ozean unterwegs. An Bord arbeiten neben der Schiffsbesatzung von gut 40 Personen bis zu 55 Forscher in internationalen Teams. Sie untersuchen Prozesse vom Meeresboden über die Wassersäule und das Meereis bis in die Atmosphäre.
Anlässlich der zurückgelegten Strecke ist für den Sonnabend, 29. August, eine Feier im Blauen Salon des Forschungseisbrechers geplant. Über die Veranstaltung soll anschließend in der „Polarstern“-App berichtet werden. Zu den früheren Gästen zählen unter anderem Helmut und Loki Schmidt sowie Nick Shackleton, ein direkter Nachfahre des britischen Polarforschers Ernest Shackleton.
Die zurückgelegte Strecke von zwei Millionen Seemeilen entspricht etwa 3,7 Millionen Kilometern und somit gut 92 Erdumrundungen auf Höhe des Äquators. Das ist etwa die zehnfache Entfernung von der Erde bis zum Mond (360.000 bis 410.000 Kilometer, je nach elliptischer Umlaufbahn). Wie viele weitere Meilen die „Polarstern“ noch zurücklegen wird, ist fraglich. Mit mehr als 40 Dienstjahren ist sie zwar dank des umsichtigen Betriebs noch immer eine zuverlässige Forschungsplattform, aber die Wartungs- und Betriebskosten sowie neue Anforderungen führen dazu, dass ein Nachfolgeschiff sie im Jahr 2030 ersetzen soll.
Mit Greifern und Bohrern werden Sedimente vom Meeresboden gewonnen. Ein Kranzwasserschöpfer befördert Wasser aus mehreren hundert Metern Tiefe an Deck. Für andere Untersuchungen bewegt sich das Schiff langsam über dem Meeresboden: Das Kamera- und Sonarsystem OFOBS wird wenige Meter über dem Grund geschleppt. Mit dem System wurden unter anderem Millionen von Fischnestern in der Antarktis entdeckt.
Viele AWI-Langzeituntersuchungen sind auf regelmäßige Expeditionen der „Polarstern“ angewiesen. Auf der derzeitigen Fahrt erforschen die Wissenschaftler die Geologie des Arktischen Ozeans. Dabei werden mehrere hundert Meter mächtige Sedimentablagerungen bis zur ozeanischen Erdkruste mit geophysikalischen Methoden untersucht und mit Kerngeräten beprobt.
Ein Schwerpunkt ist der Lomonossow-Rücken. Der bis zu 3.000 Meter über den tiefen Meeresboden aufragende untermeerische Gebirgszug durchquert den Arktischen Ozean. Die Forscher untersuchen, wie er die Ozeanströmungen in der Vergangenheit und heute beeinflusst. Aus den Messungen sollen Rückschlüsse auf Veränderungen der Arktis während früherer Warmzeiten gezogen werden. Die Ergebnisse können auch Randbedingungen und Parameter für Klimamodelle liefern und dazu beitragen, die Dynamik von Eisschilden besser zu verstehen.
Für geophysikalische Messungen unternimmt die „Polarstern“ Profilfahrten. Dabei fährt sie mit bis zu fünf Knoten Geschwindigkeit. Auf einer Expedition kommen so mehrere tausend Kilometer zusammen. Darüber hinaus ist das Schiff zwischen Arktis und Antarktis unterwegs. Auf den Transitstrecken durch den Atlantik sammelt es Unterwegsdaten zur Meteorologie, Luftchemie und Beschaffenheit des Meeresbodens. Diese Daten fließen unter anderem in globale Wettervorhersagesysteme und die Umweltforschung ein. Die Transits dienen auch der Nachwuchsausbildung.
In der Antarktis versorgt die „Polarstern“ regelmäßig die deutsche Neumayer-Station mit Betriebsmitteln, wissenschaftlicher Ausrüstung und Proviant. Für ihre Fahrten wird das Schiff in seinem Heimathafen Bremerhaven ausgerüstet, gewartet und bei Bedarf repariert. Die zurückgelegte Strecke hängt von den jeweiligen wissenschaftlichen Fragestellungen ab. Hinzu kommen die An- und Abreisen in die Untersuchungsgebiete. Im Durchschnitt legt die „Polarstern“ jährlich etwa 50.000 Seemeilen zurück und ist rund 305 Tage pro Jahr unterwegs. Laut AWI soll ein Nachfolgeschiff den Forschungseisbrecher im Jahr 2030 ersetzen.