Startseite Weniger Chemie durch Einsatz von KI
Von Weitem sieht der Traktor mit den weißen Behältern unauffällig aus. Doch beim Inhalt handelt es sich nicht um Wasser, sondern um Pflanzenschutzmittel. Damit nur so viel gespritzt wird wie unbedingt nötig, wird mit innovativer Technik ein neues Verfahren erprobt. „Künstliche Intelligenz hilft uns dabei, den Einsatz von chemischen Mitteln zu reduzieren“, sagt Pascal Scheper, Bereichsleiter von der Raiffeisen-Genossenschaft Weser-Elbe.
Dabei geht es um mehr als um eine Kostenersparnis für die Landwirte. Der Wasserverband Wesermünde will die Reinheit des Grundwassers auch für die Zukunft erhalten. Deshalb ist es von Vorteil, wenn in der Landwirtschaft der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf ein Minimum reduziert werden kann. Landwirte nutzen Chemie, um eingewanderte Pflanzen aus dem Grünland zu entfernen.
Nicht alle Herbizide werden abgebaut. Gerade ist ein bestimmtes Produkt in einem Prüfverfahren des Bundesgesundheitsministeriums, erklärt Marcus Mende, Geschäftsführer vom Wasserverband Wesermünde. Dabei geht es um den Verdacht einer toxischen Wirkung. Er wartet nicht auf das Ergebnis. Um Rückstände im Grundwasser zu vermeiden, unterstützt der Wasserverband in einer Kooperation mit der Raiffeisen Weser-Elbe das neue Verfahren mit künstlicher Intelligenz.
Die hochkomplexe Technik wirkt auf den ersten Blick simpel. Die Kameras scannen die Wiese. Es werden Tausende Bilder in der Sekunde erzeugt und analysiert. Viel schneller und genauer als es dem menschlichen Auge möglich wäre. Wenn Ampfer und Distel erkannt werden, wird gezielt aus einer Düse eine weiße Brühe auf die Blätter gespritzt. Das Gemisch tötet die Pflanze ab. Es geht um Pflanzen, die eingewandert sind. Klee und Spitzwegerich hingegen sind im Grünland begehrt und werden von Kühen gern verzehrt, weil sie bekömmlich sind, so Pascal Scheper.
Schon jetzt ist das Pilotprojekt ein Erfolg. Im Frühjahr ist es gestartet. Deutschlandweit sind rund ein Dutzend KI-Spritzen im Erprobungseinsatz, eine davon in Geestland. „Wir haben sehr, sehr gute Ergebnisse erzielt“, sagt Pascal Scheper. Er sei überrascht, wie viel Fläche bearbeitet werden konnte. 300 Hektar hatten sie kalkuliert, 600 Hektar sind nach einem halben Jahr geschafft. Auch im Einsatz des Düngemittels konnte durch die gezielte Anwendung viel gespart werden: Maschinenführer Christian Schmiedt schätzt die Ersparnis auf 90 Prozent. Allerdings ist der Zeitaufwand höher.
Noch wäre die Anschaffung der Technik viel zu teuer für die Landwirte. Das Vorführgerät würde rund 125.000 Euro kosten, schätzt Scheper. Die Kooperationsgemeinschaft von Wasserverband, Raiffeisen und einigen Landwirten ermöglicht die Anschaffung. „Die Hälfte der Kosten wird durch den sogenannten Wassergroschen getragen“, erklärt Mende.
Der Erfolg ermutigt in Zukunft weitere Landwirte, KI einzusetzen, um sparsamer Pflanzenschutzmittel zu spritzen. Da ist sich Pascal Scheper sicher. So sei es auch bei der Maishacke gewesen. Seit zehn Jahren wird dieses mechanische Verfahren zur Unkrautbekämpfung eingesetzt. „Zweimal spritzen im Jahr war normal beim Maisanbau“, so Scheper, „jetzt erspart die Maishacke einmal spritzen.“ Mit einer Maishacke habe die Raiffeisen angefangen, jetzt seien neun im Einsatz.
Der Wasserverband Wesermünde betreibt drei Wasserwerke in Kührstedt, Bad Bederkesa und Bramstedt, in denen Trinkwasser für 70.000 Kunden gewonnen wird. Das Gebiet rund um Beers umfasst eine Fläche von 2000 Hektar, fast 60 Landwirte wirtschaften dort. Fast alle beteiligen sich am Gewässerschutz.