Auch Spaden soll ein Medizinzentrum bekommen

Kein Hausarzt mehr zu finden? Das könnte für die Patienten in der Gemeinde Schiffdorf bald vorbei sein. Der Kreis will dort ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) schaffen, ähnlich wie das in Nordholz. Der Standort soll Spaden werden.

Hausärzte sind rar auf dem flachen Land. Abhilfe könnten sogenannte Medizinische Versorgungszentren (MVZ) schaffen, in denen ein Geschäftsführer sich um die wirtschaftliche Seite der Praxis kümmert und die Ärzte sich als Angestellte ganz der Behandlung der Patienten widmen können.

Ein Modell, das gerade den vielen jungen Frauen im Mediziner-Beruf entgegenkommt, die vor der Selbstständigkeit und den damit verbundenen langen Arbeitszeiten zurückschrecken. Das Land hatte deshalb fünf Pilotprojekte aufgelegt, in denen – mit kräftiger Förderung aus Hannover – ausprobiert werden sollte, wie das funktioniert. Eines davon läuft seit 2022 in Nordholz – und zwar höchst erfolgreich.

Nun hat das Land angekündigt, Geld für weitere MVZ-Projekte bereitzustellen. Pro Projekt winken 1,2 Millionen Euro Fördermittel. Der Kreis will nun einen zweiten Standort beantragen, bestätigte Sozialdezernent Friedhelm Ottens. Als Standort habe man die Gemeinde Schiffdorf im Visier.

Dr. Denis Ugurcu, CDU-Fraktionschef im Kreis, nannte die Einrichtung eines zweiten MVZ einen wichtigen Schritt, um die ärztliche Versorgung im Südkreis zu verbessern. Und seines Wissens, so der Schiffdorfer, soll das MVZ in Spaden entstehen. Der Kreis plant seit Längerem, ein zweites Medizinisches Versorgungszentrum im Südkreis zu schaffen. Hier ist der Ärztemangel besonders dramatisch, in Schiffdorf, Loxstedt, Hagen und Beverstedt sind nur gut zwei Drittel aller Hausarzt-Sitze besetzt.

Es kommt aber noch etwas anderes hinzu: Mit dem Pilotprojekt in Nordholz hat der Kreis beste Erfahrungen gemacht. Das Gesundheitszentrum in der Ortsmitte, 2022 vom Kreis und der Gemeinde Wurster Nordseeküste gemeinsam als gemeinnützige GmbH aus der Taufe gehoben, läuft hervorragend. Es hat nicht nur einen prächtigen Standort in der liebevoll restaurierten, alten Villa, in der einst die Führung des Marinefliegergeschwaders untergebracht war. Es ist auch attraktiv – für Patienten wie für Mediziner.

Mittlerweile arbeiten dort fünf Hausärzte. Zudem haben sich rund um das MVZ mehrere Fachärzte angesiedelt. Der Kinderarzt Michael Scheel hat dort ein eigenes MVZ mit vier Kinderärzten eröffnet, es gibt einen Frauenarzt, eine Oralchirurgin, einen Rheumatologen, eine Urologin und eine Physiotherapeutin.

Nordholz hat sich tatsächlich zu einem „Regionalen Versorgungszentrum“ (RVZ) entwickelt, wie das Land diese Einrichtungen etwas sperrig nennt: Hier findet man auch eine Physio- und eine Ergotherapie, eine DRK-Tagespflege, das Sozialpsychiatrische Zentrum, eine Beratung für Demenzerkrankungen, eine Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige – und ein Café.

Zudem hat der Geschäftsführer Dr. Andreas Rühle, der auch im neuen MVZ in Spaden eine wichtige Rolle spielen soll, es durch sein Geschick geschafft, in Nordholz von Beginn an schwarze Zahlen zu schreiben. Das beeindruckt dem Vernehmen nach auch Hannover. Der Kreis dürfte also gute Chancen haben, auch das zweite Pilotprojekt bewilligt zu bekommen.