Oberhausener Ehepaar startet in ein neues Leben

Neuanfang an der Küste: Daniela und Stefan Köhler ziehen nach 27 Ehejahren von Oberhausen nach Cuxhaven, angestoßen durch die Fachkräftekampagne „Hier ankern“ der NORDSEE-ZEITUNG. Über Hoffnung, Skepsis und den starken Willen nach Veränderung.

Manchmal ist es ein leises Gefühl, das sich über Monate aufbaut. Ein Gefühl der Erschöpfung, durch Lärm, durch Menschenmengen, durch Unruhe. Für Daniela und Stefan Köhler aus Oberhausen hatte dieses Gefühl einen Namen: „Ich war so ruhrpottmüde“, bringt es Daniela Köhler auf den Punkt. Nach 27 gemeinsamen Jahren im Herzen des Ruhrgebiets, einer Region mit pulsierender Dichte, sehnten sie sich nach dem Gegenteil: nach Weite, Ruhe und einer neuen Perspektive.

Den entscheidenden Impuls für den vielleicht größten Schritt ihres Lebens fanden sie Mitte Dezember auf Instagram: die Kampagne „Hier ankern“. Initiiert von der NORDSEE-ZEITUNG in Zusammenarbeit mit der Stadt Bremerhaven und dem Landkreis Cuxhaven, zielt das Projekt darauf ab, Fachkräften und potenziellen Neubürgern nicht nur die Schönheit der Küstenregion nahezubringen, sondern ihnen auch ganz konkrete Starthilfe zu geben. Die Kampagne fungiert als Brücke zwischen den Suchenden und lokalen Unternehmen, die bereit sind, den Neuanfang aktiv zu unterstützen.

Für die Köhlers war dies ein verlockendes Angebot. „Ohne die Kampagne hätten wir nicht so leicht den Arbeitgeber gefunden, der uns auch noch beim Umzug unterstützt hätte“, erzählt Daniela Köhler. „Das war wirklich der Stein, der alles ins Rollen gebracht hat.“ Die gelernte Pflegefachkraft zögerte nicht lange. Kaum hatte sie die Liste der an „Hier ankern“ beteiligten Arbeitgeber erhalten, war die Bewerbung auch schon abgeschickt. Kurze Zeit später hatte sie die Zusage der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Tasche und einen Starttermin zum 1. Juni. Sie arbeitet nun für die AWO Bremerhaven im Haus „Alte Liebe“ in Cuxhaven“.

Der Entschluss, mehr als 300 Kilometer gen Norden zu ziehen, stieß im Freundes- und Bekanntenkreis auf eine Mischung aus Bewunderung und Unglauben. „Jeder, dem wir davon erzählt haben, hat uns für völlig verrückt erklärt“, erinnert sich die 47-Jährige lachend. Trotz des Kopfschüttelns im persönlichen Umfeld hielten die Köhlers an ihrem Plan fest. „Ganz oft haben Freunde gesagt: ‚Wir würden es ja auch gerne machen‘ – und dann kam immer ein ‚Aber‘.“

Dieses „Aber“ wollten die Köhlers für sich nicht gelten lassen. Sie gingen das Risiko ein, investierten Zeit und Geld in die Wohnungssuche und ließen die Zweifler hinter sich. Ihre Überzeugung war stärker: „Man muss eben wollen, man muss den Mut haben, den Schritt zu gehen, und den haben wir nicht bereut“, sagt der 50-jährige Stefan Köhler.

Heute, nur wenige Wochen nach dem Umzug, ist die einstige Hoffnung, die auf einer Instagram-Werbung von „Hier ankern“ basierte, bereits zur Realität geworden. Die Hektik Oberhausens mit seinen 240.000 Einwohnern ist der Gelassenheit Cuxhavens gewichen. Statt anonymer Menschenmassen erleben sie eine offene, freundliche Gemeinschaft. Die größte Angst von Daniela Köhler, dass sich frühere berufliche Enttäuschungen aus dem Ruhrgebiet wiederholen könnten, hat sich in Luft aufgelöst. Ganz im Gegenteil: Sie fühlt sich in ihrem neuen Team so wohl wie selten zuvor und hat bereits die Möglichkeit zur Weiterbildung bekommen. Ihre pragmatische Haltung vor dem Umzug hat sich als goldrichtig erwiesen: „Wenn es hier schiefgeht, habe ich wenigstens die Nordsee vor der Tür.“

Der Strand ist nun ihr zweites Wohnzimmer, ein Fischbrötchen am Deich ein liebgewonnenes Ritual. Für Daniela und Stefan Köhler ist Cuxhaven mehr als nur ein neuer Wohnort. Es ist ein Gefühl des Neuanfangs, ein Versprechen für eine entspanntere Zukunft. Ihre Botschaft an alle, die ebenfalls von einem Neuanfang träumen, ist entwaffnend direkt und ehrlich: „Kommt hierhin, der Strand ist toll. Die Menschen sind geil. Was soll schon schiefgehen?“

Daniela und Stefan Köhler stammen aus Oberhausen und sind seit 27 Jahren verheiratet.