Startseite Neues Flaggschiff für die deutsche Forschungsflotte
Am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven gibt es eine 20-köpfige Projektgruppe für den Bau der neuen „Polarstern“. Die soll das heutige Forschungsschiff „Polarstern“, das gerade auf dem Weg in die Antarktis ist, ersetzen. Gebaut wird ab 2027. Womit also ist die Projektgruppe beschäftigt? Fünf Fragen an Projektdirektor Detlef Wilde.
ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) wird die neue „Polarstern“ auf seiner Werft in Wismar bauen und 2030 an die Wissenschaft übergeben. Der ursprüngliche Entwurf wird dafür gerade detailliert ausgearbeitet. „Wir achten darauf, dass jetzt in der Designphase die Anforderungen der Wissenschaft weiter erfüllt werden“, nennt Projektdirektor Detlef Wilde ein Beispiel für die Aufgaben seiner Projektgruppe. Es hat die Bauaufsicht und muss auch Abrechnungen prüfen.
Die neue „Polarstern“ ist ein Forschungseisbrecher, der für den ganzjährigen Einsatz in Polarregionen konzipiert ist und fortschrittliche Technologien an Bord hat. Wilde verweist auf das nachhaltige Konzept. Dazu gehört ein leistungsstarker Hybridantrieb; das neue Schiff könnte auch „grünes“ Methanol als Treibstoff einsetzen. Abgas-Schadstoffe würden bis an die Grenze des heute Machbaren reduziert; das Schiff sei leise unterwegs. Der blaue Umweltengel ist beantragt. Die wissenschaftliche Ausrüstung ist besonders. Die neue „Polarstern“ soll eine multidisziplinäre Forschungsplattform mit modernsten Geräten an Bord, darunter Helikopter, Drohnen und Tauchroboter. Wilde: „Wir kaufen das Schiff all inclusive.“ Es wird über einen „Moonpool“ verfügen, eine geschützte Öffnung im Schiffsrumpf, wo Geräte ins Wasser gelassen werden können. Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, tief in den Meeresboden zu bohren.
Das neue Forschungsschiff wird eine höhere Eisbrechleistung besitzen als seine Vorgängerin, die Polarklasse 2. Damit kann es in Gebiete vordringen, in denen das Eis für die bisherige „Polarstern“ zu dick ist. Es soll mit 1,80 Meter dickem Eis plus 20 Zentimeter Schneelast zurechtkommen. In Hamburg laufen derzeit Versuche, um den Schiffsrumpf für seine Aufgaben weiter zu optimieren.
Das Schiff wird zur Endausrüstung und für Erprobungsfahrten nach Bremerhaven kommen. Die Stadt bleibt Heimathafen. Die Bereederung erfolgt weiterhin durch die Reederei F. Laeisz, die eine Dependance in Bremerhaven hat. 50 Crewmitglieder kümmern sich um den Betrieb des 160 Meter langen, hochmodernen Schiffes und unterstützen die 60 bis 90 Wissenschaftler an Bord bei ihren Untersuchungen.