Startseite Neuer Zoodirektor lobt die Forschung in der Seestadt
„Gerade das Kleine hat mich gereizt“, erklärt der designierte Zoodirektor Jörg Beckmann, der vor drei Wochen frisch von Nürnberg in den Norden, genauer nach Bremerhaven-Mitte, gezogen ist.
Er schaut sich um: Joggen auf der Luneplate, mit dem Rad die Stadt erkunden, ein Ausflug nach Cuxhaven an den Strand. Sein erstes Urteil schmeichelt: „Bremerhaven ist eine Mischung aus Göttingen und Kopenhagen.“ Statt der Anonymität eines Großbetriebs mit 150 Mitarbeitern sucht er die Nähe. „Hier kann man viel dichter am Betrieb sein, alle Mitarbeitenden kennen, den Tierbestand und das Tagesgeschäft im Blick haben.“
Der Zoo am Meer sei „kleiner, sehr gepflegt, viel familiärer“, und genau das habe ihn überzeugt. Gepaart mit der Lage am Meer und dem Wissenschaftsstandort Bremerhaven sei es für ihn eine ideale Konstellation: „Besser geht‘s eigentlich nicht.“ „Es gibt Spitzenforschung in Bremerhaven, extrem gute Wissenschaftler“, sagt Beckmann. Dass ihn das besonders reizt, wird schon bei der ersten Frage klar.
Auf die Frage, ob 44 Lebensjahre noch stimmen, antwortete er: „Ich bin mit der ,Polarstern‘ vom Stapel gelaufen.“ Der Forschungseisbrecher habe ihn schon als Kind begeistert, und nun zieht der gebürtige Hannoveraner in ihren Heimathafen.
Er spricht über die Chance, Bremerhavens einzigartigen Standortvorteile zu nutzen. Die enge Zusammenarbeit mit renommierten Forschungseinrichtungen wie dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) und dem Thünen-Institut steht im Zentrum seiner Pläne. „Zoos sind auch Wissenschaftsstandorte. Forschung ist einer unserer Schwerpunkte“, betont Beckmann. Er sieht großes Potenzial in Kooperationen.
„Gerade im Dreiklang mit dem Klimahaus, mit dem Auswanderhaus, dass wir Migration bei Tieren, Auswirkungen von Klimawandel auf unsere Zootiere darstellen können. Da kann man sehr tolle, spannende Projekte machen.“ Doch Zoos stehen auch immer mal wieder in der Kritik. In Nürnberg war er in einer der emotional geführten Debatten um die Tötung von Pavianen zur Bestandsregulierung involviert. Eine Erfahrung, die ihn lehrte, wie wichtig ein faktenbasierter Dialog ist.
Ob man in den Dialog geht, komme darauf an, was es für Kritik ist: „Wenn es einfach nur darum geht, laut und dagegen zu sein, fehlt die Diskussionsbasis. Natürlich hat jeder eine Meinung dazu, wie zu Fußball und Politik. Aber das reicht halt manchmal nicht. Manchmal braucht man auch ein bisschen Fachwissen“, sagt der studierte Tierökologe.
Die Besucherzahlen der Zoos seien sehr konstant. Sein Rückschluss: Es gibt nicht mehr Kritik am Zoo, sie ist durch Social Media nur lauter. Zoos seien oft die letzte Zuflucht für bedrohte Arten. Die emotionale Begegnung mit einem Tier sei einzigartig. „Dieses Tiererlebnis, das Tier wirklich zu sehen oder zu riechen, das kann man nicht ersetzen.“
Zoos sichern Arten und wildern aus: „Auch wenn der Eisbär seit sechs Generationen im Zoo lebt, hat er alles dabei, was er für das Leben in der Natur braucht. Das zeigt uns jede Hauskatze, die wir seit 10.000 Jahren domestiziert haben. Die lebt ihr Leben lang drin, man lässt sie einmal raus oder sie haut ab und kommt mit einer Maus wieder“, sagt Beckmann.
Am 1. August geht es los. „Ich freue mich extrem auf den neuen Job, auf das Team, auf den Zoo, die Herausforderung.“ Auf die Frage, wofür der Zoo in fünf Jahren stehen soll, für modernen Artenschutz, für Bildung oder als touristisches Glanzlicht der Stadt?, antwortet er: „Am liebsten alles, wenn wir das hinkriegen.“