Startseite Marineflieger: Sea Lynx macht Platz für Sea Tiger
Kapitänleutnant Marius verbindet viele gute und intensive Erinnerungen mit dem Marinehubschrauber Sea Lynx. „Mein persönliches Highlight war ein Manöver im Pazifik, als es an Bord einer Fregatte von Hawaii über Korea bis nach Japan ging“, sagt der junge Mann, der bei der Verabschiedung des Hubschraubers am Dienstag nach 45 Jahren nach eigenen Angaben ein bisschen sentimental ist. Aber: „Wenn man die vielen Möglichkeiten sieht, die der moderne Nachfolger bietet, dann blickt man doch positiv in die Zukunft.“
Fregattenkapitänin Tabea ist Staffelkapitänin und wird vor allem ihren ersten Flug mit dem Sea Lynx nie vergessen. „Da steckt einfach so viel Power in dem System“, sagt sie. Auch Flüge im Sonnenaufgang oder -untergang seien etwas ganz Besonderes und würden ihr immer in Erinnerung bleiben.
Die Sea Lynx Mk88 dienten als Bordhubschrauber auf Fregatten und unterstützten diese als „fliegendes Vorauskommando“ bei der Suche nach feindlichen U-Booten. Der Mehrzweckhubschrauber war dafür nicht nur mit einem Sonar zur Ortung, sondern auch mit einem Torpedo zur Bekämpfung von U-Booten ausgerüstet.
Im Sommer 1981 wurde der Sea Lynx Mk88 bei der deutschen Marine eingeführt. Den Erstflug absolvierte der britische Hubschrauber bereits zehn Jahre zuvor. Im Jahr 2000 wurden die bis zu 22 deutschen Maschinen zuletzt grundlegend modernisiert.
Lange Zeit prägte der Hubschrauber das Bild auf dem Fliegerhorst Nordholz. Besatzungen und Techniker sehen sich daher auch als „Sea-Lynx-Familie“ und sprechen vom Ende einer Ära.
Doch mittlerweile ist der Sea Lynx in die Jahre gekommen und immer reparaturanfälliger. Bis zum Ende des Jahres soll er in Nordholz daher nach und nach außer Dienst gestellt werden. Zum Abschied verpassten die Marineflieger einem der Helikopter eine Sonderlackierung in Schwarz-Rot-Gold.
Auch der namensgebende Luchs wurde auf die Maschine gemalt (englisch: „Lynx“). Der Luchs wurde als Namensgeber gewählt, weil der Hubschrauber – wie die Wildkatze – als schnell, wendig und präzise gilt.
Als Nachfolger führt die Marine seit dem vergangenen Jahr nach und nach den NH90 Sea Tiger ein. Die Maschine wurde von vier europäischen NATO-Ländern entwickelt und hob 1995 zum ersten Mal ab. Der ursprünglich als Transporthubschrauber konzipierte NH90 ist mit 11 Tonnen Startgewicht mehr als doppelt so schwer wie der kleinere Sea Lynx.
„Der Lynx ist der beste und zuverlässigste Bordhubschrauber, der je gebaut wurde“, findet Fregattenkapitänin Tabea. Er komme aber an seine Leistungsgrenzen bei der Sensorik und der Bewaffnung. Der NH90 sei hingegen eine regelrechte fliegende Kommandozentrale mit deutlich mehr Technik an Bord. Eine Herausforderung für die Besatzung. „Die Komplexität steigt damit an“, sagt sie.
So bietet die Marineversion des NH90 reichlich Platz für Sensorik zum Aufspüren von U-Booten. „Das neue Sonar ist ein Quantensprung. Damit erhöht sich die Reichweite über und unter Wasser deutlich“, sagt Pilot Marius. Zudem sind die Rotorblätter einklappbar, sodass bis zu zwei Hubschrauber auf einer Fregatte untergebracht werden können.
Die beiden Hubschrauber fliegen sich auch unterschiedlich. Während der Sea Lynx deutlich agiler ist, fliegt der Sea Tiger kontrollierter und wird mit Hilfe des Autopiloten sowie umfangreicher Unterstützungstechnik ruhig gehalten. Piloten vergleichen den Unterschied mit dem zwischen einem Sportwagen und einem großen Geländewagen.
Für die Piloten in Nordholz bedeutet das, dass sie derzeit auf das neue Fluggerät umgeschult werden. „Das beginnt im Simulator mit Basismanövern wie Anlassen und Abstellen des Hubschraubers sowie dem Schwebeflug“, sagt Kapitänleutnant Marius. Danach folgen Schwebeflüge, Flüge über dem Platz und Notverfahren. Wegen des robusten Fahrwerks ist das Rollen am Boden mit dem neuen Hubschrauber einfacher. Die Umschulung dauert etwa sechs Monate.
Bis 2030 sollen nach und nach 31 Sea Tiger an den Fliegerhorst Nordholz ausgeliefert werden. Inklusive Ausbildung und Ersatzteile kosten die Hubschrauber 87 Millionen Euro das Stück. Insgesamt gibt die Bundeswehr 2,7 Milliarden Euro für die Beschaffung.