Startseite Lloyd Werft darf jetzt Schiffe recyceln
Seit Kurzem hält die Lloyd Werft die Genehmigung, um künftig in ihren Docks Schiffe abzuwracken, in den Händen. Das entsprechende Papier, das Umweltsenatorin Henrike Müller (Grüne) im Kaiserhafen vorbeibringt, besteht aber nicht aus einer dünnen Urkunde. Es handelt sich um einen ausgewachsenen Aktenordner, vollgestopft mit Anweisungen zu Betriebszeiten, Sicherheitsleistungen und vielem mehr. Zwei Jahre lang wurde daran gearbeitet, alle Aspekte für Arbeits- und Umweltschutz sind geregelt.
Schiffe mit einem Gewicht bis zu 50.000 Tonnen darf die Werft nun abwracken. Das entspricht einem großen Aida-Kreuzfahrtschiff. Noch gibt es keinen konkreten Auftrag. Geschäftsführer Friedrich Norden betont aber, dass man mit Reedereien im Gespräch sei. Die Werft hofft, dass zum Beispiel Kreuzfahrtreedereien künftig nicht nur mit einem umweltfreundlicheren Betrieb, sondern auch mit einem sauberen Ende ihrer Schiffe werben wollen.
Bei den ersten Gesprächen mit den Reedereien soll ausgelotet werden, was ihnen beim Abwracken wichtig ist. Legen sie Wert auf umweltfreundliches Recycling und hohe Standards beim Arbeitsschutz oder schauen sie nur auf den Preis. Das wird die spannende Frage sein. Wenn es nur ums Geld geht, hat die Lloyd Werft gegen die Konkurrenz in Indien oder der Türkei keine Chance.
Viele kennen die Bilder vom Schiffsfriedhof im indischen Alang, wo Schiffe an den Strand gefahren und von Männern in Schlappen auseinandergenommen werden. Umwelt- und Arbeitsschutz? Fehlanzeige. Ein hoher Preis für niedrige Kosten auf dem Rücken von Arbeitern und Umwelt.
Beim Abwracken ist der Preis, den der Reeder für den alten Schiffsstahl bekommen kann, entscheidend. Alles andere wie die Entsorgung von Betriebsmitteln und Elektroschrott sind reine Kosten. Bei der Kalkulation wird sich zeigen, ob bei einem solchen Auftrag genug Geld für die Werft abfällt.
Als die Lloyd Werft anfing, sich mit Schiffsrecycling zu beschäftigen, setzte sie darauf, dass es künftig internationale Abkommen für mehr Sicherheit und Umweltschutz geben wird. Nun gibt es tatsächlich mit der Hongkong-Konvention ein entsprechendes internationales Abkommen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO).
Die Frage wird sein, wie sie umgesetzt und kontrolliert wird. Dass die Europäische Union nun auch Werften aus Indien und der Türkei in die Liste der Betriebe aufnehmen will, die Schiffe abwracken dürfen, sorgt im Kaiserhafen für Sorgen. „Die Politik muss da nachjustieren“, sagt André Hennes, der auf der Werft das Recycling-Projekt betreut.
„Wir haben keine neuen Anlagen geschaffen, sondern nutzen die vorhandene Infrastruktur“, sagt Norden. In allen drei Docks können Schiffe abgewrackt werden. Im Genehmigungsverfahren konnte die Werft auf viele vorhandene Zertifikate zurückgreifen. „Es gibt keinen Unterschied zwischen Schiffsrecycling oder der Reparatur oder einer Verlängerung eines Schiffs“, sagt Norden. Bereits jetzt gelten für alle Tätigkeiten rund um Reparatur und Neubau die gleichen Anforderungen. Lediglich die Stahlmengen sind beim Abwracken größer.
Und diese Stahlmengen werden nicht mehr mit dem Brennschneider erzeugt. Inzwischen zerlegen Großgeräte mit Scheren die ausgemusterten Schiffe, wobei direkt mit den Entsorgern zusammengearbeitet wird.
In Deutschland ist die Lloyd Werft der zweite Betrieb, der Schiffsrecycling anbietet. Vor gut einem Jahr hat ein Unternehmen in Emden den Betrieb aufgenommen. Die Lloyd Werft will jetzt in den Markt einsteigen. „Ich wünsche Ihnen ganz viel Erfolg“, sagt Senatorin Müller. Mit Blick auf den dicken Genehmigungs-Ordner sieht sie auch noch Potenzial, solche Verfahren generell zu vereinfachen. Da wünschen ihr viele auf der Werft ebenfalls Erfolg.