Gesundheitshaven: Neue Startup-Praxis für Ärzte

Mit dem Gesundheitshaven gegen den Ärztemangel: Eine bundesweit einmalige Startup-Praxis mit Haus- und Kinderärzten soll in Bremerhaven starten.

Als der langjährige Bremerhavener Hautarzt Dr. Karsten Peschau Ende 2024 seine Praxis in der Bürgermeister-Smidt-Straße aufgab und als angestellter Arzt nach Bremen wechselte, wurden die Räume frei. Jetzt gibt es mit dem Gesundheitshaven einen neuen Mieter. Dabei handelt es sich um eine innovative Startup-Praxis, die die Kassenärztliche Vereinigung (KV) im Land Bremen in enger Kooperation mit den regionalen Krankenkassen aufbaut.

Dort will die KV Haus- und Kinderärzte einstellen und ihnen durch eine umfassende Betreuung den Einstieg und den Praxisalltag erleichtern. Ein deutschlandweit einmaliges Ansparmodell soll die angestellten Ärzte motivieren, im Anschluss eine eigene Praxis in Bremerhaven zu gründen oder zu übernehmen. Am Mittwoch wurde der Mietvertrag mit Hauseigentümerin Christiane Thies unterzeichnet.

Gibt es schon Ärzte für den Gesundheitshaven? „Wir haben jetzt mit dem Recruiting begonnen“, sagt Dr. Bernhard Rochell, Vorsitzender des Vorstandes der KV Bremen. Dazu sollen Anzeigen geschaltet werden, auch die Busse in Bremerhaven und Bremen sollen mit Werbung für den Gesundheitshaven fahren. Die Personalakquise läuft außerdem über das Internet und soziale Medien.

„Wir hoffen, dass wir schnell Interessentinnen und Interessenten finden“, betont Rochell. „Erste Bewerbungen von Medizinischen Fachangestellten haben wir schon.“ Den Gesundheitshaven plant die KV mit bis zu drei Versorgungsaufträgen, die aber auch auf mehrere Ärzte in Teilzeit verteilt werden können. „Es wäre fantastisch, wenn wir spätestens im ersten Quartal 2026 die Pforten öffnen könnten“, sagt Rochell. Das hänge jedoch vom Erfolg der Personalgewinnung ab.

Bis dahin werden die Praxisräume renoviert. Nach dem Umzug des Callcenters Getaline und einer Physiotherapie-Praxis an andere Standorte sind derzeit noch drei Etagen in dem Gebäude frei. „Wir würden uns freuen, wenn wir weitere Mieter aus medizinnahen Berufen finden, zum Beispiel aus den Bereichen Physiotherapie oder Fußpflege“, sagt Thies. Im Erdgeschoss befindet sich die Stern-Apotheke.

Was macht den Gesundheitshaven zum bundesweit einmaligen Modell? „Wir bieten den Ärztinnen und Ärzten ein Anstellungsverhältnis an“, sagt Rochell. „Sie müssen sich nicht selbst niederlassen mit allen Risiken, die dazugehören. Es wird kein unbegleiteter Weg sein: Wir stehen mit dem Know-how der KV an der Seite der hier tätigen Ärzte, wenn es etwa um Abrechnungsfragen, Qualitätssicherung oder Personalführung geht.“

Neben einem wettbewerbsfähigen Arztgehalt zum Einstieg in Höhe von gut 7.500 Euro monatlich gibt es eine Leistungszulage – abhängig von den Fallzahlen. Zum bundesweit einmaligen Projekt wird der Gesundheitshaven vor allem durch ein Ansparmodell. Damit sollen die Ärzte motiviert werden, im Anschluss eine eigene Praxis in Bremerhaven zu gründen oder zu übernehmen. Rochell nennt dies die „Bremerhaven-Prämie“: „Diese würde wieder verfallen, wenn sich ein Arzt entscheidet, Bremerhaven doch wieder zu verlassen. Sie könnte dann aber anderen Ärzten zugutekommen, die sich hier niederlassen wollen.“

Alle Krankenkassen im Land Bremen unterstützen das Projekt mit insgesamt mehr als 360.000 Euro jährlich. Für die Anschubfinanzierung habe die Vertreterversammlung der KV bereits über 600.000 Euro bewilligt, sagt Rochell. „Wir werden erleben, dass in den kommenden Jahren viele Haus- und Kinderärzte in den Ruhestand gehen“, sagt Torsten Barenborg, Leiter der Landesvertretung Bremen des Verbands der Ersatzkassen. Das Durchschnittsalter der Hausärzte in Bremerhaven liegt nach Angaben der KV bei 58 Jahren. „Es kommt daher jetzt darauf an, mit dem Gesundheitshaven vor diese Welle zu kommen“, betont Barenborg. „Wir werden Mittel umwidmen, um dieses Projekt zu fördern.“