Startseite Gemeinde Schiffdorf modernisiert Schulen
Dem Architekten Tobias Kister war die Begeisterung anzumerken. Die Spadener Grundschule biete große Vorteile, schwärmte der Baumeister bei der Vorstellung seiner Pläne. Die Schule aus zwei Häusern, dem Haupthaus mit der großen Aula und dem Klassenhaus. Und im Klassenhaus sei nur die eine Seite mit Klassenräumen ausgebaut. „Auf der anderen Seite haben wir genügend Platz, um zusätzliche Gruppen- und Arbeitsräume zu schaffen.“ Sie sind nach Ansicht des Planungsbüros forum L, zu dem Kister gehört, das A und O für den modernen Ganztagsunterricht.
Die Gemeinde hatte das Planungsbüro angeheuert, um pädagogische Eckpunkte zu setzen, bevor sie ihre Grundschulen für den Ganztagsbetrieb ausbaut. Ab 2026 steht jedem Grundschüler in Deutschland eine Ganztagsbetreuung zu. Schiffdorf, das bei Investitionen in seine fünf Grundschulen aus Angst vor zu hohen Kosten zurückhaltend war, will jetzt klotzen und nicht kleckern.
Vor einem Jahr hatte die Politik grünes Licht für die Ideen des Masterplans gegeben, mit dem Schiffdorf die Schulen fit machen will für modernen Unterricht. Die Gemeinde will dafür richtig Geld locker machen: Rund 40 Millionen Euro werden in den nächsten Jahren in die Grundschulen gesteckt, die dann, so die Hoffnung, zu Vorzeige-Lehranstalten werden. Die Schulen in Spaden, Schiffdorf und – nach derzeitigem Stand – auch in Geestenseth sollen ausgebaut werden.
Der Wermutstropfen vor allem für die Wehdeler: Die jahrzehntealten Schulen in Wehdel und Sellstedt werden geschlossen, Sellstedt bekommt dafür eine nagelneue Schule für beide Ortschaften. Moderner Unterricht, so Stefan Niemann, Chef des Planungsbüros forum L, braucht vor allem Platz. Platz für Differenzierung, für Fachräume, für zusätzliches Personal, das mit dem Ganztagsbetrieb an die Schule kommt. Und das sei an den bisherigen Standorten in Wehdel und Sellstedt kaum zu machen, heißt es.
In Spaden, wo der Startschuss für den großen Umbau fällt, will Architekt Kister die große Aula zum Veranstaltungsraum für den 4.800-Einwohner-Ort machen. Sie soll künftig – wenn der Brandschutz es erlaubt – für Veranstaltungen mit mehr als 200 Besuchern genutzt werden. Die Mensa, in der die knapp 250 Schüler künftig in mindestens zwei Durchgängen Mittag essen, soll in Richtung Westen an die Aula angebaut werden. Ähnlich wie das Lehrerzimmer, das vor einigen Jahren entstanden ist. Damals wurde auch die Fassade der Schule erneuert.
Für den oberen Teil der zweigeschossigen Schule hat sich der Architekt etwas Besonderes ausgedacht. Die Kinder, die sich oben Bücher aus der schuleigenen Bibliothek holen, sollen die Gelegenheit bekommen, sich in sogenannten „Lesekojen“ gleich in diese zu vertiefen. Diese Kojen werden wie Kanzeln in einer alten Oper in die Aula „hineinragen“, kündigt er an.
Künftig sollen im Haupthaus neben Aula, Mensa und Musikraum alle Verwaltungsräume der Schule untergebracht. Das Klassenhaus, das über einen Verbindungsgang damit verbunden ist, wird fürs Lernen da sein. Dort sollen auch die Arbeitsräume entstehen, in denen die Kinder in kleineren Gruppen unterrichtet lernen können. Haupt- und Klassenhaus werden barrierefrei und bekommen einen Fahrstuhl. Das Dach der Schule wird erneuert und bekommt Photovoltaik. Alles in allem rechnet die Gemeinde mit Umbaukosten von 5,6 Millionen Euro.
Die Verwaltung will die Spadener Grundschule gerne parallel zum Schulbetrieb ausbauen. Das heißt, der Ausbau wird einige Jahre dauern. Wenn alles klappt, sollen die Mensa und die anderen Anbauten ans Haupthaus während der Sommerferien 2026 passieren, so dass die Mensa zum Start des Ganztagsbetriebs fertig ist. Die Arbeiten im Klassenhaus sollen danach erst umgesetzt werden. Fertig wird das Ganze nicht vor dem Sommer 2028.