Forschungsschiff wird Motorenteststand

Ein Forschungsschiff, das selbst zum Versuchslabor für neue Antriebstechniken auf hoher See wird. Mit diesem Konzept geht die Bremerhavener Lloyd Werft neue Wege beim Schiffbau und schafft sich wertvolles Know-how.

Ein ausgewachsenes Schiff, das als Motoren-Versuchsstand für erneuerbare Energien dient: Das ist das Konzept für das neue Forschungsschiff des DLR-Instituts für Maritime Energiesysteme in Geesthacht und Kiel. Das Schiff wird 48 Meter lang und 11 Meter breit sein. Die Lloyd Werft hat den Auftrag vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bekommen. Rumpf und größere Segmente werden auf der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) gebaut. Den Betrieb hatte die Rönner-Gruppe im Frühjahr übernommen. Das gesamte Projekt bleibt somit nicht nur in Deutschland, sondern innerhalb der Rönner-Gruppe, zu der auch die Lloyd Werft gehört.

Im Spätsommer kommenden Jahres wird das DLR-Forschungsschiff nach Bremerhaven geholt, sagt Projektleiter Edzard Brünner. Gut ein Jahr lang geht es dann auf der Lloyd Werft um die Endausrüstung. Dabei geht es auch um „emissionslose Schifffahrt“.

Das neue Forschungsschiff wird mit einem konventionellen dieselelektrischen Antrieb ausgestattet. Der Diesel erzeugt Strom und damit die elektrische Energie für den Antriebsmotor. An Bord befindet sich aber auch ein Testmaschinenraum, in dem andere Antriebe unterkommen können, um auf der Fahrt den Antriebsmotor zu speisen. Das können Motoren sein, die mit Methanol, LNG oder Ammoniak angetrieben werden. Es könnte aber auch eine Wasserstoff-Brennstoffzelle sein.

Diese Antriebe können dann im Einsatz an Bord unter realen Bedingungen auf dem Meer getestet werden. Wie verhalten sich Motoren und Brennstoffe bei Seegang? „Wie reagiert der Motor bei Manövern, bei denen schnell unterschiedliche Leistungen abgerufen werden, wie etwa beim Anlegen?“, erläutert Brünner.

Auf die unterschiedlichen Brennstoffe wird das Schiff natürlich vorbereitet. Es erhält spezielle Sicherheitseinrichtungen zum Schutz vor Explosionen, Kontamination und Vergiftungen. Der Testmaschinenraum wird zudem mit einem Notabschaltsystem ausgestattet. Wenn es beim Test mit einem Antrieb Probleme gibt, kann sofort auf den Basisantrieb umgeschaltet werden, sagt Brünner.

Alle Anlagen an Bord werden mit moderner Sensorik überwacht und gesteuert. Ein Hydrografenschacht ermöglicht die Entnahme von Wasserproben. Das Schiff wird zudem unbemannte Luft- und Unterwasserfahrzeuge aufnehmen können.

Gutachter haben der Werft bestätigt, dass es sich um technisch neuwertige Systeme handelt. Damit erfüllen sie die Anforderungen des Förderprogramms „Innovativer Schiffbau“ der Bundesregierung. Und das bedeutet Fördermittel vom Bund und damit die Absicherung von gut 100 der insgesamt 320 Beschäftigten auf der Werft.

36 Millionen Euro wird das Schiff kosten. Rund 24 Millionen Euro sind dabei förderfähige Kosten. Der Bund unterstützt die Arbeit der Lloyd Werft mit rund 3,2 Millionen Euro. Das sind 67 Prozent der Fördersumme. Das Land Bremen muss die anderen 33 Prozent abdecken.