Europa-Premiere: Frachter nutzt grünen Landstrom

Ein Riesenkoloss am Stecker: Der Autotransporter „Lake Shirasagi“ ist erstmals während der Liegezeit in Bremerhaven mit grünem Strom von Land versorgt worden – eine Europa-Premiere für die Branche.

Das Schiff der Reederei Wallenius Wilhelmsen ist damit der erste Autotransporter, der seine Dieselgeneratoren im Bremerhavener Hafen nicht anwerfen musste. Das rund 200 Meter lange RoRo-Schiff hatte in Bremerhaven etwa 2.000 Fahrzeuge be- und entladen. Parallel zum Lade- und Löschvorgang musste das Schiff einen umfangreichen technischen Test starten – das gilt auch für alle weiteren Schiffe, die Landstrom beziehen werden.

Für die bremische Senatorin Kristina Vogt (Wirtschaft und Häfen) ist die Premiere „das Ergebnis jahrelanger Investitionen, enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und klarer politischer Zielsetzung“. Und: „Die Folge sind weniger Lärm und Abgase im Hafenbetrieb und spürbare Entlastung für Mensch und Umwelt.“

Die neue sogenannte Onshore-Power-Supply-Anlage (OPS) am Autoterminal versorgt das Schiff während der Liegezeit mit Strom vom Land. Bisher mussten Autocarrier dazu ihre bordeigenen Dieselgeneratoren betreiben – mit entsprechenden CO2-, Stickoxid- und Feinstaubemissionen.

Um die Nutzung von Landstrom auch vor etwaigen EU-weiten Verpflichtungen zu ermöglichen, wurden mit mehreren Reedereien Vereinbarungen geschlossen: Neben Höegh Autoliners haben auch Wallenius Wilhelmsen, EUKOR, sowie im Container-Segment MSC und NCL ihre Bereitschaft erklärt, mit ihren landstromfähigen Schiffen auch Strom abzunehmen, wenn diese Bremerhaven anlaufen.

Umgestellt wird jetzt sogar auf grünen Landstrom. Lieferant ist die Eurogate Technical GmbH. Das Unternehmen betreibt einen Teil des Netzes im Hafen und plant, selbst in die Stromerzeugung mittels Windkraftanlagen im Hafen einzusteigen.

Ab 2030 sollen gemäß EU-Vorgaben die Liegeplätze von Container-, Fähr- und Kreuzfahrtschiffen in großen europäischen Häfen mit Landstrom ausgestattet sein. Vogt: „Für RoRo-Schiffe gibt es diese Verpflichtung bislang nicht – umso wichtiger ist es, dass wir hier bereits heute vorangehen“, erklärt die Senatorin.

Für Bremenports-Geschäftsführer Robert Howe ist das Projekt nur der Auftakt. Im ersten Ausbauschritt entstehen fünf Landstromanlagen in Bremerhaven: zwei mobile Anlagen, eine fest installierte Anlage an der Stromkaje, eine Anlage für Kreuzfahrtschiffe an der Columbuskaje sowie die doch in Betrieb genommene Anlage für RoRo-Fahrzeugcarrier am Autoterminal.

Eine fest installierte Anlage am MSC-Gate wird gerade fertiggestellt, die mobilen Anlagen an den Terminals von Eurogate und NTB sollen ab Herbst betriebsbereit sein. Für die neue Landstromanlage am Kreuzfahrtterminal startet die Verlegung des Kabelkanals an der Columbuskaje – im Sommer wird auch diese dann in Betrieb gehen.

Insgesamt rund 50 Millionen Euro wird dieser erste Ausbauschritt dann gekostet haben. 22 Millionen Euro werden vom Bund gefördert. Zudem hat Bremerhaven gemeinsam mit den Häfen von Aarhus, Göteborg und Stockholm eine Förderung durch das Projekt „Connecting Europe Facilities“ eingeworben – 5,23 Millionen Euro fließen in den Überseehafen.