Startseite Eine neue Chance für das Moor
Seit 2011 renaturieren die Niedersächsischen Landesforsten das insgesamt rund 117 Hektar große Gebiet. Ziel sind nasse, standorttypische Waldmoore und Moorbirken-Bruchwälder. Fachleute verschiedener Disziplinen sowie die zuständigen Genehmigungsbehörden des Landkreises Cuxhaven begleiten die Arbeiten.
„Der jetzige Abschnitt hat eine Größe von rund acht Hektar“, erläutert Förster und Projektleiter Frank Zweers vom Forstamt Harsefeld. „Hier wollen wir vor allem die standortfremde Weymouthskiefer entfernen. Vorhandene Laubbäume wie Birken oder Erlen, zum Teil auch heimische Kiefern, bleiben stehen, um als Mutterbäume zu dienen und Struktur zu schaffen für die kommende, naturnahe Waldgeneration.“ Auch Totholz soll im Gebiet verbleiben – liegend wie stehend – und damit Lebensräume schaffen.
Die Holzernte ist diesmal besonders anspruchsvoll. In früheren Abschnitten prägte vielfach die ebenfalls standortfremde Sitkafichte die Flächen. Ihr dichtes, oberflächennahes Feinwurzelsystem wirkte auf dem Moorboden wie eine Matte und bot den Holzerntemaschinen eine gewisse Tragfähigkeit. Im jetzt überwiegend mit Weymouthskiefern bewachsenen Abschnitt fehlt diese Stabilität.
Damit der empfindliche Torfboden möglichst geschont wird, setzen die Forstleute einen speziellen Moorbagger mit Holzerntetechnik ein. Bei Bedarf fährt er auf mobilen Baggermatten. Der Bodendruck soll so deutlich sinken. Auch ein geeignetes Wegenetz bis zu einer Lkw-fähigen Straße ist im neuen Abschnitt nur teilweise vorhanden. Zunächst werden die gefällten Bäume samt Kronen darum zu zentralen Plätzen gebracht. Von dort gelangen sie über eine zeitweilig verlegte mobile Baustraße aus Stahlunterlegeplatten aus dem Wald. Diese wird nur für die Dauer der Erntemaßnahmen genutzt.
Nach der Holzernte folgt die Wiedervernässung: Vor allem Entwässerungsgräben sollen geschlossen werden. Messstellen erfassen bereits seit Jahren die Entwicklung des Bodenwasserstandes. Zusätzlich liefert eine Anfang 2026 eingerichtete Niederschlagsmessstation örtliche Daten. „Diese betreiben wir zukünftig weiter, denn sie liefern wertvolle Informationen darüber, ob sich der Bodenwasserstand auf das gewünschte Niveau einstellt“, sagt Zweers.
Das Ziel ist nicht allein ein anderer Waldbestand. Mit dem Rückbau der Entwässerung soll die Zersetzung des Torfkörpers gebremst werden. Dadurch kann sich die Freisetzung großer Mengen Kohlendioxid verringern. Zugleich soll der Torf wieder stärker als Wasserspeicher wirken: In regenreichen Zeiten nimmt er Wasser auf und gibt es in trockenen Phasen nur langsam durch Verdunstung wieder ab. Das dient dem Klima-, Luft- und Grundwasserschutz.
Dass die Entwicklung funktionieren kann, zeigen laut Forstamt die 2011 auf ähnliche Weise umgestalteten Flächen. Dort ist inzwischen ein junger Moorbirken-Bruchwald entstanden. Seltene Libellen hätten sich wieder angesiedelt, außerdem seien typische Moorpflanzen wie Torfmoose und Sonnentau zurückgekehrt.
Die Flächen im Holzurburger Moor waren ursprünglich waldfreie Hochmoore. Erst Ende des 19. Jahrhunderts setzte die Kultivierung ein, die vor allem während des Ersten Weltkriegs mit Kriegsgefangenen großflächig betrieben wurde. Torf wurde dort anders als in vielen Moorgebieten nicht abgebaut. Stattdessen nutzte man die Flächen als Grünland für die Weideviehhaltung und entwässerte sie vergleichsweise wenig, damit die Tiere Wasser fanden.
Als die Weidewirtschaft Anfang der 1950er-Jahre zunehmend an Bedeutung verlor, wurden Sitkafichten und Weymouthskiefern angepflanzt. Seit mehr als 20 Jahren finden dort jedoch keine forstwirtschaftlichen Maßnahmen mehr statt. Weil die Torfschicht weiterhin vergleichsweise mächtig ist, gilt sie heute als besonders schützenswert. Der angestrebte Moorbirken-Bruchwald soll nach heutiger Einschätzung besser an das künftige Klima angepasst sein als der nadelholzgeprägte Wald und zugleich bedrohten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten.