Startseite Der Kreis wird zum Öko-Investor
Nachhaltigkeit und Klimaschutz lagen Thorsten Krüger schon als Bürgermeister von Geestland am Herzen. Jetzt treibt Krüger als Landrat das Thema im Kreis voran. Seine Behörde hat jetzt ein Klimaschutz-Konzept für die über 1.000 Mitarbeiter starke Verwaltung vorgelegt.
Das ist allerdings nicht freiwillig, sondern ist den Kommunen seit gut zwei Jahren gesetzlich vorgeschrieben. Auf 118 Seiten hat die Stabstelle Klima im Kreishaus die Klima-Situation dargestellt und Maßnahmen aufgelistet, mit denen sie verbessert werden soll. „Das ist unser Werkzeugkasten“, machte Krügers rechte Hand, Britta Murawski, im Umweltausschuss deutlich. Immerhin hat sich der Kreis vorgenommen, bis 2035 klimaneutral zu werden. Das hatte der Kreistag vor drei Jahren auf Antrag von SPD und Grünen beschlossen.
Wie das funktionieren soll, das skizzierten Murawski, Leiterin der Stabstelle, und ihr Mitarbeiter Jan-Dirk Strohsal jetzt den Politikern. Ein Baustein: Der Kreis will in Sachen Energie autarker werden. Die Öko-Energie, die hier an der Küste zuhauf produziert wird, soll auch gleich hier verbraucht werden. Der Kreis plant, in Zusammenarbeit mit den Gemeinden eigene Wind- und Solarparks zu errichten und den dort erzeugten Strom in seinen Liegenschaften zu verbrauchen. Das Ganze firmiert unter dem Label Klima-Energie-Region und soll im Sommer formell aus der Taufe gehoben werden. Der Hintergrund: Im Kreis Cuxhaven wird zwar jede Menge erneuerbare Energie produziert, bislang jedoch ohne direkte Beteiligung der Kommunen.
Aber es gibt genossenschaftliche Strukturen, bei denen Gemeinden mitmischen. Die Neue Energie Bremerhaven-Cuxland hat 13 Photovoltaik-Anlagen in Betrieb, unter anderem in Kooperation mit der Gemeinde Beverstedt, die ihre Dächer in Beverstedt und Stubben zur Verfügung gestellt hat. Und in Moorausmoor gibt es eine Genossenschaft, die das halbe Dorf mit Wärme aus einer Biogas-Anlage versorgt. Das sind Strukturen, an die der Kreis anknüpfen möchte.
Insgesamt verbraucht der Landkreis über 35 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr, sein ökologischer Fußabdruck liegt bei 13.740 Tonnen CO2-Äquivalenten im Jahr. Haupt-Übeltäter sind die Heizungen, die im Wesentlichen mit Gas und Heizöl betrieben werden. Hier hofft der Kreis, durch den Ausbau von Photovoltaik auf den Dächern, durch energetische Sanierungen seiner Gebäude und den Ausbau von Wärmenetzen in den Kommunen seine Kohlendioxid-Emissionen zu senken.
Der zweite große Brocken bei der CO2-Belastung ist mit etwa 35 Prozent der Verkehr. Dazu zählen sowohl der Fuhrpark des Kreises inklusive der vielen Arbeitsmaschinen als auch die Privatautos, mit denen die Mitarbeiter ins Kreishaus fahren. Da es im weitläufigen Cuxland ohne Auto nicht gehen wird, setzt der Kreis auf die Elektrifizierung seines Fuhrparks und den Ausbau der Ladestationen für Elektro-Autos. Auch soll es zusätzliche Anreize für die Mitarbeiter geben, auf E-Autos umzusteigen. Daneben sollen auch die Fahrradwege ausgebaut werden und der ÖPNV – soweit es weitläufigen Cuxland finanzierbar ist – gestärkt werden.
Der Kreis möchte seine Bürger motivieren, stärker auf erneuerbare Energien zu setzen. In den vergangenen zwei Jahren hatte der Kreis ein Förderprogramm für Balkonkraftwerke, also Mini-Solaranlagen auf Balkonen, aufgelegt, das sehr gut angenommen wurde. Jetzt will er nachlegen. Voraussichtlich ab 1. April werden PV-Batteriespeicher gefördert, mit denen die Bürger den auf Dächern oder Balkonen produzierten Solarstrom speichern können.