Startseite Cuxland: Rettungswachen vor Bauboom
Das Strategiepapier „Rettungsdienst Cuxland 2026“ war vor drei Jahren der Startschuss für die Neuorganisation des Rettungsdienstes im Kreis Cuxhaven. Schon darin war von neuen Rettungswachen die Rede. Es folgten der Ausstieg eines privaten Betreibers und intensive Debatten. Im Januar 2025 übernahm der Kreis den Rettungsdienst. Inzwischen ist die neue Rettungsdienst Cuxland gGmbH seit eineinhalb Jahren am Start – und die Politik mit der Rückkehr der Aufgabe in die kommunalen Hände hochzufrieden. „Wir haben was richtig Gutes geschaffen“, schwärmte Hendrik Rehm (SPD) jetzt im Kreistag.
Das beweise allein der Andrang an der Rettungsdienstschule, die im September in Beverstedt an den Start gehen wird. „Über 70 Menschen haben sich für die Ausbildung zum Notfallsanitäter beworben. Das zeigt, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind“, freute sich Rehm. Tatsächlich wird der Rettungsdienst Schritt für Schritt auf neue Füße gestellt.
Nun will die neue Führung unter dem Geschäftsführer Lars Oehmke und dem Leiter der neu eingerichteten Stabstelle im Kreishaus, Benjamin Junge, die Standorte der Wachen anpacken. Bislang schaffen es die Sanitäter im weitläufigen Cuxland nicht immer, binnen 15 Minuten am Einsatzort zu sein. Das schreibt der Gesetzgeber aber zumindest für 95 Prozent der Notfall-Einsätze vor. Diesen Knoten will die GmbH nun durchschlagen – in dem sie die Rettungswachen besser über den Kreis verteilt.
Die neuen Standorte:
Loxstedt: Die Rettungswache in Schiffdorf wird auf Sicht aufgegeben, stattdessen soll in Loxstedt eine neue gebaut werden.
Sellstedt: Um auch den letzten Zipfel dieses Einsatzgebietes gut zu erreichen, wird die Außenstelle der Wache – bislang in Stinstedt – nach Sellstedt verlegt.
Bad Bederkesa: Die Rettungswache in Lintig wird in die zentralere Lage, nach Bad Bederkesa, verlegt. Für beide Neubauten, in Loxstedt wie in Bad Bederkesa, soll der Startschuss Ende 2027 fallen.
Beverstedt: Die Rettungswache im ehemaligen EWE-Gebäude in Beverstedt, wo der neue Rettungsdienst seinen Sitz hat, wird weiter umgebaut.
Hagen: Auch Hagen behält die Rettungswache, bekommt aber ein neues Gebäude, eine gemeinsame Rettungs- und Feuerwache. Der soll 2029 in Angriff genommen werden.
Sievern: Die Rettungswache in Dorum wird aufgegeben, stattdessen soll in Sievern eine neue Wache gebaut werden. Das wird allerdings erst 2031/2032 passieren.
Nordholz: Verlegt wird auch die Außenstelle in Midlum. Sie bekommt einen neuen Standort in Nordholz.
Cadenberge: Auch in Land Hadeln wird es neue Standorte geben. So soll in Cadenberge eine neue Rettungswache gebaut werden.
Lamstedt: Die Rettungswache aus Hemmoor wird nach Lamstedt verlegt.
Otterndorf: Otterndorf bleibt Standort, wird aber einen Neubau bekommen.
„Von unseren künftig acht Rettungswachen werden sieben neu gebaut“, freute sich Landrat Thorsten Krüger im Kreistag. Und das Beste daran: Diejenigen, die das Ganze bezahlen müssen, nämlich die Krankenkassen, haben bereits ihr Okay dafür gegeben. Ein Beweis dafür, dass das Konzept stimmig ist.
Neu aufgestellt wird auch die Notarztversorgung. Die neue GmbH setzt auf fest angestellte Notärzte, was den Vorteil hat, dass die Notarzt-Fahrzeuge immer an den Rettungswachen stationiert sind und nicht mehr von den Ärzten mit nach Hause genommen werden. Überhaupt sind die Notärzte seit ein paar Jahren immer seltener im Einsatz.
Hintergrund ist die deutlich verbesserte Ausbildung der Besatzung im Rettungswagen. Seit 2014 gibt es in Deutschland den Notfallsanitäter, eine dreijährige Ausbildung, die beispielsweise auch dafür qualifiziert, Schmerzmittel zu spritzen oder Patienten mit Herzinfarkt akut zu behandeln. Da braucht es den Arzt oft nicht mehr.
In Zukunft dürfte es noch weniger Notarzt-Einsätze im Cuxland geben. Denn der Kreis Cuxhaven wird im Oktober an die landesweite Tele-Notfallmedizin angeschlossen. Das heißt, die Sanitäter können dann vor Ort einen Notarzt per Video zuschalten und auch alle Patientendaten in Echtzeit übermitteln. Das hat Konsequenzen für die Bereitstellung von Notarzt-Einsatzfahrzeugen. In Hemmoor und Otterndorf ist schon keines mehr stationiert, stattdessen gibt es zentral eines in Cadenberge. Auch in Schiffdorf und Beverstedt wird es auf Sicht keinen Notarzt mehr geben, stattdessen soll ein Notarzt-Auto am neuen Standort in Loxstedt stationiert werden.