Cuxland bekommt Glasfaser bis zum letzten Hof

Im Kreis Cuxhaven kann man bald so schnell im Internet surfen wie in der Großstadt. Bis 2029 sollen die letzten Dörfer im Cuxland an Glasfaser angeschlossen sein.

Es war ein langer Kampf. Beim Thema schnelles Internet schaute das Cuxland lange in die Röhre. Wie viele ländlichen Regionen in Deutschland. Schließlich hat der Bund die Versorgung mit schnellem Internet den privaten Providern überlassen. Und die suchten sich die Filetstücke heraus. Städtische Bereiche natürlich, Mehrfamilienhäuser, Neubaugebiete – überall da, wo sie mit möglichst wenig Netz möglichst viele Kunden gewinnen konnten.

Dünn besiedelte Gebiete wie das Cuxland ließ die Internet-Anbieter links liegen. Selbst dann noch, als bundesweite Förderprogramme für mehr Breitband aufgelegt wurden. Zwar wagten sich die Internet-Anbieter in die dichter besiedelten Gebiete im Kreis Cuxhaven. In Beverstedt beispielsweise lieferten sich die EWE und die Deutsche Glasfaser, ein damals neuer Player unter den Providern, einen regelrechten Wettstreit, wer den Kunden das schnelle Netz ins Haus bringen durfte. Manche Straßenzüge wurden gleich zwei Mal aufgerissen. Doch kleine Dörfer und abgelegene Höfe blieben auf der Strecke.

Das änderte sich erst mit dem milliardenschweren Weiße-Flecken-Programm, das der Bund 2019 aufgelegt hat, um abgelegenere Regionen ans schnelle Glasfaser-Netz anzuschließen. Der Kreis Cuxhaven und seine Kommunen griffen zu. Obwohl Ralf Bruns, der Internet-Experte der Agentur für Wirtschaftsförderung, damals grob schätzte, dass das Projekt satte 240 Millionen Euro verschlingen würde.

Der Bund übernimmt zwar bis zu 60 Prozent, das Land noch mal 25 Prozent. Den Rest aber müssen der Kreis und die Städte und Gemeinden selber tragen. Von daher ist eine sehr gute Nachricht, dass es im Kreis Cuxhaven nicht lange so teuer wird wie erwartet. Weil die Konkurrenz unter den Providern offenbar groß war. Das berichtete Bruns kürzlich im Regionalausschuss.

Die Politiker freuten sich zuerst einmal über die Zahlen: In Cuxhaven und Geestland, wo nur noch etwa 650 Adressen ohne Breitband-Anschluss waren, kostet der Ausbau nun knapp 12 Millionen Euro. Davon müssen der Kreis und die beiden Städte jeweils 1,5 Millionen Euro tragen. Den Zuschlag hatte dort die Telekom bekommen, bereits im vergangenen Jahr hatte der Internet-Anbieter mit dem Ausbau begonnen.

Nun soll der große Rest folgen, die knapp 12.000 Adressen in Loxstedt, Beverstedt, Hagen, Wurster Nordseeküste, Hemmoor, Land Hadeln und Börde Lamstedt, die noch kein Breitband haben, sollen jetzt angeschlossen werden. Für Loxstedt und Wurster Nordseeküste hat wiederum die Telekom den Zuschlag bekommen. Dort sind die Bürger bereits angeschrieben worden und erste Info-Veranstaltungen haben stattgefunden.

In Beverstedt und Hagen ist es die Firma Muenet GmbH, ein Glasfaser-Anbieter aus Coesfeld, die den Zuschlag bekommen hat. Auch hier, so berichtete Bruns der Politik, ist es wegen des scharfen Wettbewerbs, der unter den Glasfaser-Anbietern herrscht, deutlich günstiger geworden als erwartet – genauer gesagt, 25 Millionen Euro günstiger. Insgesamt verschlinge der Anschluss 62 Millionen Euro, so Bruns. Für den Kreis und die betroffenen Kommunen bedeutet das, dass sie jeweils 4,6 Millionen Euro aufbringen müssen, damit auch alle ihre Bürger einen Glasfaser-Anschluss bekommen.

Jetzt hat der Internet-Experte nur noch eine Sorge – dass die Bürger nicht zugreifen. Weil sie die teureren Nutzungsverträge fürchten. „Alle Bürger sollten sich diesen kostenfreien Anschluss legen lassen“, appellierte Bruns. Denn es wird nicht mehr lange dauern, da wird Glasfaser der Standard bei der Internet-Versorgung sein. „Das alte Kupfernetz wird in den nächsten Jahren abgeschaltet, ab 2035 muss man damit rechnen“, warnte er. Wer bis dahin zögert, riskiert womöglich, dass er irgendwann ganz ohne Internet und Telefon dasteht.

Der Ausschussvorsitzende Enak Ferlemann unterstrich das. „Es ist erstaunlich, dass viele Bürger die Möglichkeit nicht nutzen, sich Glasfaser zu holen“, findet der CDU-Mann. Die Menschen schätzten die Situation offenbar falsch ein. „Eines Tages wird ein guter Internetanschluss genauso wichtig sein wie ein Wasseranschluss.“

Der flächendeckende Ausbau mit Glasfaser ist im Cuxland schon in Gang. Als Nächstes werden die Anschlüsse in Loxstedt und der Wurster Nordseeküste gelegt.