Ältestes Börteboot nach Sanierung getauft

Kapitän Christian Schwan hat sich mit der „Angelika“ einen Kindheitstraum erfüllt: Nach zweijähriger Sanierung wurde das Börteboot (Baujahr 1949) im Neuen Hafen in Bremerhaven getauft. Er hat mit „Angelika“ große Pläne.

Nicht nur die Sonne lachte vom blauen Himmel: Auch Familie, Freunde und Gäste von Kapitän Christian Schwan freuten sich über das besondere Ereignis am Südende des Neuen Hafens in Bremerhaven. Nach zweijähriger, umfangreicher Sanierung konnte der 34-Jährige seinen Kindheitstraum erfüllen: Er ist nun Eigner und Betreiber eines originalen Helgoländer Börtebootes – und feierte dessen Taufe. Dabei handelt es sich um ein besonderes Exemplar: Die „Angelika“ ist Baujahr 1949 und gilt als das älteste bekannte noch aktive Börteboot.

Ein Börteboot ist ein gut zehn Meter langes, 3,3 Meter breites und bis zu acht Tonnen schweres Personentransportboot aus massivem Eichenholz für bis zu 50 Gäste. 2018 wurde die Helgoländer Dampferbörte ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die eigentliche Börte – das Ausschiffen von Gästen aus Seebäderschiffen auf Reede der Insel – erfolgt allerdings seit der Corona-Pandemie nicht mehr.

Schwan hat viele Jahre seiner Kindheit auf Helgoland verbracht. „Irgendwann besitze ich auch einmal ein eigenes Börteboot“, erzählt er von seinem Jugendtraum. Bereits als 16-Jähriger wurde er Mitglied der Schiffergilde Bremerhaven. Zudem ist er Gründungsmitglied des Vereins zum Erhalt Helgoländer Börteboote (VzEHB), der seit 2014 existiert. Auch beim Bremerhavener Verein rund um das Börteboot „Lottjen“ war Schwan aktiv.

Überrascht wurde Schwan am Tauftag von der Taufpatin: Mit der 32-jährigen Tamara Schwiemann, der Verlobten seines Freundes Tim von Münster, übernahm eine auf Helgoland geborene Patin die Taufe – in einer originalen Helgoländer Tracht. „Die Tracht gehörte meiner Oma und meine Mutter hat sie mir nun passend zur Taufe wieder aus dem Schrank geholt und aufgearbeitet“, erzählt Schwiemann.

Schwan konnte sich den Traum im Sommer 2024 erfüllen. Die „Hein Mück“, wie das Schiff bis 2024 hieß, wurde bis zur Corona-Pandemie von der Reederei Adler & Eils für Hafenrundfahrten in Büsum eingesetzt. Danach lag das Boot auf der Landberg-Werft in Büsum auf. „Mitte Juni 2024 hatte ich mir das Boot angeschaut und relativ schnell wurde ich mit dem bisherigen Eigentümer handelseinig“, erinnert sich Schwan. Über den Kaufpreis macht er keine Angaben. In der Szene werden die Boote – abhängig vom Zustand – zwischen 30.000 und 80.000 Euro gehandelt.

Helgoland wurde erst spät nach dem Zweiten Weltkrieg wiederbesiedelt – deshalb stammen die heutigen Boote meist aus der Zeit nach 1952. In der Nebensaison wurden die Boote auch zum Hummer- und Fischfang eingesetzt. Schwans Boot wurde jedoch schon 1949 als Fischkutter „Steingrund“ von der Hatecke-Werft in Freiburg/Elbe gebaut. Erst 1958 kam es – umbenannt in „HEL 9 Angelika“ – als Börteboot zum Einsatz, sagt Schwan.

Nach dem Erwerb stellte Schwan fest, dass der bisherige 81-PS-Antriebsmotor von John Deere defekt ist. Einen Ersatz – einen mehr als 100 PS starken DAF-Lkw-Diesel – habe er mithilfe von Jochen Crome aus Bederkesa, selbst Eigner eines Börtebootes, erworben. Auf dessen Bootswerft erfolgten mit Unterstützung vieler Freunde die Sanierungsarbeiten, darunter der Cuxhavener Rainer Löwenstrom, genannt „Löwe“. Schwan berichtet, nach dem Entfernen der alten Farbe sei klar geworden, dass viele Bauteile morsch waren. So dauerte die Sanierung statt eines Jahres zwei Jahre. „Während der Sanierungszeit war ich dann nicht mehr Käpt’n Chris, sondern der Praktikant von Crome und Löwe.“

Rund 100.000 Euro habe die vollständige Sanierung am Ende gekostet. Schwan plant mit der „Angelika“ neben privaten Fahrten auch Charter- und Ausflugsfahrten vom Liegeplatz bei der Marina von Im Jaich in Bremerhaven. Zunächst steht jedoch die Teilnahme an der Helgoländer Börtebootregatta an. „In diesem Jahr möchte ich den Pokal mit der ,Angelika‘ gewinnen“, so Schwan.

Kapitän Christian Schwan und Taufpatin Tamara Schwiemann stehen vor der „Angelika“, dem ältesten bekannten noch aktiven Helgoländer Börteboot (Baujahr 1949), das im Neuen Hafen in Bremerhaven getauft wurde.