Neues Gründerzentrum ist wiederverwertbar

Im Süden der Stadt Bremerhaven entsteht etwas Besonderes. Für das Gründungszentrum im nachhaltigen Gewerbegebiet Lunedelta sind die Baumaterialien sehr sorgfältig ausgewählt. Das Gebäude ist wiederverwertbar.

Das oberste Geschoss ist fertig. Im ersten und zweiten Stock liegen Glaspaneele parat. Sie wurden in bayerischen Coburg gefertigt und bestehen aus recyceltem Glas. „Eigentlich wären sie grüner“, sagt Thorsten von Döhlen, Projektsteuerer der Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter/Neuer Hafen (BEAN). Doch der Hersteller kann seine Produktion umstellen. „Wir haben die Weißen bekommen.“

Von Döhlen führt durch das neue Gründungszentrum am Eingang zum nachhaltigen Gewerbegebiet Lunedelta ganz im Süden der Stadt Bremerhaven. Der etwa 41 mal 41 Meter viergeschossige Komplex soll eines Tages Platz für Gründer, junge Firmen, Büros und Werkstätten bieten. 5.500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche entstehen. Rund 15 Millionen Euro wurden dafür bereitgestellt, in erster Linie von Bund und Land.

Der Neubau liegt noch etwas einsam an der Straße Seeborg nahe der alten Weser. Er wird nach dem sogenannten Cradle-to-Cradle-Prinzip gebaut. Das große Gebäude ist so geplant, dass die Bauteile nicht zu Abfall werden, sondern wieder in einen biologischen oder technischen Stoffkreislauf zurückgeführt werden können. Eine durchgängige Kreislaufwirtschaft. So zu bauen, ist nicht neu, aber in dieser Konsequenz ist das Projekt über die Grenzen Bremerhavens einzigartig. Der Entwurf ist bereits ausgezeichnet worden.

Wenn der Projektleiter durch den Neubau führt, fällt als Erstes das viele Holz auf. „Der Rohbau ist abgeschlossen“, berichtet von Döhlen über den Stand der Bauarbeiten. In der Mitte entsteht ein großes Atrium. Alles wirkt groß und flexibel. Wände entstehen erst nach den Wünschen der künftigen Nutzer. Der dritte Stock hat bereits seine Fenster und die besondere Glasfassade. Bauarbeiter sind jetzt vor allem aus Ebene 1 und 2. Das Erdgeschoss wird ins nächste Jahr rutschen.

Die doppelschaligen Glaspaneele würden mit einer Art Glasfaser – als schmale Matten zugeschnitten – zur Isolierung ausgelegt, dann zwischen den Fenstern eingesetzt und verklebt, erläutert von Döhlen. Im Innern bildet sich ein Luftpolster.

In puncto Wärmedämmung soll diese Art der Fassade mit modernen Fenstern mithalten können. Der sogenannte U-Wert – je kleiner, desto geringer ist der Wärmeverlust – soll bei nicht mal 0,7 liegen. Als gute Werte für Fenster in einem Neubau gelten 0,8 bis 0,9, was durch hochwertige Fensterprofile und eine 3-Fachverglasung möglich wird.

Die Fenster im künftigen Gründungszentrum haben außen eine Aluverkleidung als Wetterschutz. Die ganze Fassade wirkt weiß bis silbrig. Die beiden Betontürme, die unter anderem die Treppenhäuser beherbergen und aus Brandschutzgründen erforderlich waren, bekommen ein Wärmeverbundsystem.

Die BEAN, die der Wirtschaftsförderung BIS angegliedert ist, übernimmt die Rolle der Bauherrin des Gründungszentrums. Mit der Planung wurde eine Arbeitsgemeinschaft beauftragt, bestehend aus Partner und Partner Architekten, Kokomo Landschaft und Stadtraum GmbH, Merz Kley Partner sowie dem Energiebüro Berlin. Die Arbeiten werden europaweit ausgeschrieben, und von Döhlen wird nun die nächsten Aufträge vergeben. Im Herbst des kommenden Jahres rechnet er mit der Fertigstellung.