Meeresenergie: Innovativer Strömungsgenerator

Wie lässt sich die Kraft der Meeresströmung für die Energiegewinnung nutzen? Die Firma Astro aus Debstedt hat gemeinsam mit der Hochschule Bremerhaven einen innovativen Generator entwickelt – und den Prototyp nun erfolgreich getestet.

Ein innovatives Projekt aus dem Studiengang „Maritime Technologien, Meerestechnik und Windenergie“ der Hochschule Bremerhaven hat in Kooperation mit der Debstedter Firma Astro Motorengesellschaft einen funktionsfähigen Strömungsgenerator hervorgebracht. Das Team unter Leitung von Prof. Dr. Axel Borchert entwickelte gemeinsam mit den Studierenden Theresa Mevenkamp, Johannes Lutz und Ralph Igel ein Gerät zur Energiegewinnung aus Meeresströmungen. Nun wurde der Prototyp im Unternehmen präsentiert.

Die Anbauteile des Generators wurden per 3D-Druck in der Hochschule gefertigt. Zu Beginn des Projekts wurde ein Hersteller von Kleinmotoren gesucht. Eine Anfrage in Schweden blieb unbeantwortet, doch Astro zeigte Interesse. Die hohe Individualisierbarkeit der dort gefertigten Motoren machte das Unternehmen zum idealen Partner.

„In unserer modernen Welt ist ein Leben ohne Strom unvorstellbar“, betont Borchert. „Das Meer birgt eine unermessliche Kraft, die es zu nutzen gilt – nicht nur in Offshore-Windparks, sondern zukünftig auch in Strömungskraftwerken.“ Die Technik müsse dabei den extremen Bedingungen auf See standhalten. Gemeinsam mit dem technischen Leiter von Astro, Fred Wohlers, und der Inhaberfamilie Graudenz entstand ein Motor, der nicht Energie verbraucht, sondern erzeugt – eine in dieser Form neuartige Anwendung.

Je nach Strömung erreicht der Generator bis zu 190 Umdrehungen pro Minute. Die Praxistauglichkeit wurde bei einem mehrtägigen Einsatz vor Helgoland erprobt. Dafür brachte das Team den Motor mithilfe eines Krans von einem Segelboot aus zwischen Hauptinsel und Düne zu Wasser. „Die dort erfassten Daten wurden auf einem internen Speichermodul aufgezeichnet und werden nun im Rahmen des Studiengangs ausgewertet“, erläutert Theresa Mevenkamp. Die Wassertiefe an der Teststelle lag zwischen zwei und vier Metern.

Obwohl Borchert das Potenzial für eine breite Anwendung – etwa in autarken Messsystemen – sieht, lehnt er eine Patentanmeldung ab. Der Aufwand sei zu groß, der Fokus liege auf der Ausbildung. Stattdessen regt er eine Zusammenarbeit mit externen Partnern an, die das Modul vermarkten könnten.

Florian Graudenz, bei Astro als „Junior Technical Management Assistant“ tätig, betonte gemeinsam mit seiner Schwester Simona Graudenz, der Geschäftsführerin des Unternehmens: „Wenn es dazu kommen sollte, stehen wir mit unserem breiten Produktportfolio an Präzisions-Kleinmotoren bereit, uns an zukünftigen Weiterentwicklungen zu beteiligen.“