Hightech in XXL: Neues Schleusentor für Emden

In Bremerhaven entsteht Hightech im XXL Format: Ein 42 Meter langes und 1000 Tonnen schweres Schleusentor ist bereit für den Einsatz in Emden.

Ein rund 1.000 Tonnen schweres und 42 Meter langes Schleusentor für die Seeschleuse in Emden ist in den vergangenen Monaten bei Stahlbau-Nord (SBN) in Bremerhaven entstanden. Nun sind die Stahl- und vor allem auch Konservierungsarbeiten an dem neuen Reservetor für die Große Seeschleuse in Emden abgeschlossen, sodass in den nächsten Tagen der Stahlkoloss die 170 Meter lange Lunehalle im Fischereihafen verlassen wird. Anschließend wird es auf den Schwerlastponton „BHV Innovation“ verschoben und durch Absenken des Pontons zu Wasser gelassen. Spätestens im Sommer soll das Schleusentor dann nach Emden geliefert werden.

SBN hatte den Auftrag im Sommer 2024 im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens von Niedersachsen Ports (N-Ports) erhalten. Insgesamt hatten sich vier Unternehmen in mehreren Preisrunden für den Bau des 19,9 Meter hohen und 7,9 Meter breiten Tores beworben. Angaben zu den Kosten liegen nicht vor. Für das zur Rönner-Gruppe gehörende Bremerhavener Unternehmen ist es der erste Neubau eines Schleusentores, nachdem in anderen Betrieben der Gruppe aber schon mehrfach Sanierungen an Schleusentoren durchgeführt wurden.

Die Arbeiten begannen im Januar 2025. Zunächst wurden bei BVT in Bremen – ebenfalls ein Unternehmen der Rönner-Gruppe – Stahlplatten millimetergenau zugeschnitten. Diese wurden zu Paneelen verarbeitet, auf Pontons verladen und nach Bremerhaven transportiert. Dort entstanden daraus Querwände, Decks und Spanten – das Grundgerüst des Bauwerks. Die integrierten Tanks zur Regulierung des Auftriebs fassen bis zu 1.685 Kubikmeter Wasser.

Nach Auskunft von SBN wurden die Stahlpaneele durch rund 17.925 Meter Schweißnaht zusammengehalten. Jeder Meter ist dokumentiert: Wer schweißte wann, in welcher Position und mit welchem Draht? Zusätzlich kontrollierte eine Schweißaufsicht jeden Abschnitt; jeder fünfte wurde mit einem Magnetverfahren überprüft.

Alle 10.075 Bleche tragen eine individuelle Positionsnummer, mit der sich Herkunft und Qualität der Rohplatten nachweisen lassen – auch noch fünf Jahre nach der Inbetriebnahme. Die Fertigung entspricht laut SBN deutschen, europäischen und internationalen Normen. N-Ports ließ die Arbeiten zudem durch externes Qualitätscontrolling begleiten.

Nach der baulichen Fertigstellung erfolgte die notwendige Konservierung des Schleusentores. Diese wurde nach einem System der Bundesanstalt für Wasserbau umgesetzt: Drei Farbschichten werden auf insgesamt 12.500 Quadratmetern aufgetragen. Zuvor wurden alle Schweißnähte geglättet, jede Fläche wurde sandgestrahlt und grundiert.

Nach derzeitiger Planung soll das Schleusentor im Sommer 2026 an der Großen Seeschleuse in Emden eintreffen. Nach umfassenden Tests ist die endgültige Inbetriebnahme für Sommer 2028 vorgesehen. Bis dahin wird das Schleusenpersonal von SBN geschult. Seit 2024 modernisiert N-Ports die 1913 in Betrieb genommene Große Seeschleuse bei laufendem Betrieb. Die Arbeiten an der 260 Meter langen Anlage sollen etwa zehn Jahre dauern. Die Kosten werden auf mindestens 100 Millionen Euro geschätzt. Nach der Sanierung soll mit der Schleuse der reibungslose Betrieb für die nächsten 35 Jahre sichergestellt werden.

In der Lunehalle in Bremerhaven wurde das neue Schleusentor für die Große Seeschleuse in Emden fertiggestellt. Das 42 Meter lange, 1.000 Tonnen schwere Bauwerk verlässt bald die Werkshalle Richtung Norden.