Krimi-Team kämpft mit dem Wasser

Oliver Mommsen schlüpft erneut in die Rolle des eigenwilligen Schauspielers Tim Seebach: Bei den Dreharbeiten der dritten „Mord oder Watt?“-Krimikomödie verlangte das Watt bei Cuxhaven dem Team um Regisseur André Erkau alles ab.

Im Cuxland gedreht: Der Freitags-Krimi „Mord oder Watt“ in der ARD startet in die dritte Runde. Hauptdarsteller Oliver Mommsen stolpert als Tim Seebach erneut in eine Mordermittlung: Eine ortsbekannte Aktivistin, die für den Schutz des Wattenmeers und gegen das traditionelle Schlickschlittenrennen kämpfte, wird tot aufgefunden.

Für „Die wilde Hilde“, den neuen Teil der Krimireihe, zog es Regisseur André Erkau und seine Crew wieder an die Nordseeküste. Gedreht wurde in Bremerhaven, im Cuxland und im Watt vor Cuxhaven. Bei den Dreharbeiten kämpfte das Team mit dem Wasser – und gegen die Zeit.

„Dreharbeiten sind ja immer herausfordernd, weil man permanent gegen die Zeit arbeitet. Doch bei den Dreharbeiten mit den Schlickschlitten war dieser Zeitdruck extremer als je zuvor“, sagt Erkau.

Gedreht wurde das Schlickschlittenrennen an der Küste bei Cuxhaven: „Das ging nur an einer einzigen Stelle, weil sich die Schlitten anderswo schlicht nicht bewegten. Und selbst dort hatten wir nur zwei Stunden Zeit, bevor uns die Flut in die Quere kam.“ Eine „knappe Kiste“, wie Erkau sagt.

Doch die beste Planung konnte nicht verhindern, dass so einiges anders lief als geplant: „Es gab zwar einen Tidekalender, aber an diesem Tag stimmte einfach nichts“, erinnert sich Erkau. „Die Natur spielte nicht mit.“ Als sich das Wasser entgegen aller Prognosen zunächst nicht zurückzog, drehte das Team kurzerhand im höheren Wasserstand weiter – „guerillamäßig“, wie der Regisseur sagt. „Aber dann kam die Flut plötzlich viel schneller zurück als gedacht. Wir mussten alle Akteure aus dem Watt holen und die restliche Szene an Land drehen.“

Auch bei anderen Szenen war Improvisation gefragt. Für den erfahrenen Filmemacher war das jedoch kein Grund zur Panik: „Rückblickend bin ich froh, dass diese Situation nicht bei meinem Filmdebüt eingetreten ist. Damals hätte sie mich vermutlich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gebracht. Doch nun, da ich bereits einige Filme auf dem Buckel habe, bringt mich zum Glück kaum noch etwas aus der Ruhe.“

Trotz aller Widrigkeiten überwiegt bei Erkau die Begeisterung: Mit „Die wilde Hilde“ sei wieder ein „Mord oder Watt?“-Film entstanden, dem „man anmerkt, dass die Menschen, die diese Reihe machen, lieben, was sie tun.“

Doch was ist das Erfolgsrezept für ihn als Regisseur? „Regie zu führen, ist für mich ein bisschen wie Gastgeber auf einer Party zu sein. Es geht nicht nur darum, interessante und tolle Menschen einzuladen, sondern die richtigen, die gut miteinander schwingen. Denn ein Fest lebt wie ein Film vor allem von seinen Gästen“, sagt Erkau.

„Natürlich bereitet man metaphorisch gesprochen Schnittchen, Getränke und Playlisten vor.“ Entscheidend sei aber, beim Drehen im Moment zu bleiben, stets aufmerksam zu sein und ein gutes Gespür für das Miteinander zu bewahren. Und „ins Gespräch zu gehen und spielerisch darauf zu reagieren, dass das Leben und das Drehen selten nach Plan laufen“, so der Regisseur.

Diese Offenheit macht es möglich, dass alle Beteiligten aufblühen und über sich hinauswachsen. „So kann etwas sehr Wertvolles entstehen. Ich nenne das ,gelenkte Freiheit‘. Denn bei aller Lockerheit funktioniert es nur, wenn man die gesamte Party im Blick behält und sich selbst nicht auf der ,Tanzfläche‘ verliert.“

TV-Termin: Der 90-Minüter „Mord oder Watt – Die wilde Hilde“ wird am Freitag, 20. Februar, um 20.15 Uhr im Ersten gezeigt und steht zudem auch in der ARD-Mediathek zur Verfügung.